Veranstaltung

28 Bugs und eine Erkenntnis

Unser erstes Mal: Ein Team beim Software Testing World Cup.

Neben uns brabbelt es auf Englisch und Holländisch, einige Wortfetzen können wir verstehen. Währenddessen moderiert Matt Heusser (@mheusser) unaufhaltsam den Livestream für diejenigen Teams, die sich online eingeklinkt haben. Wir müssen uns konzentrieren.

Fünf von insgesamt 80 Teams haben sich ins Dorint Hotel nach Potsdam aufgemacht, um beim europäischen Vorentscheid des Software Testing World Cup (http://www.softwaretestingworldcup.com) live vor Ort mitzuspielen. Witzig, dass noch ein zweites Dresdner Team am Start ist, nämlich von Anecon. Die Holländer sind schlau, die haben sich gleich einen Entwickler in ihre Mannschaft geholt, der gleich erstmal die Anwendung auf Sicherheitslücken prüfen will.

Modus Operandi
Vor uns liegen mobile Endgeräte aller Couleur. Damit sollte eine gute Testabdeckung erreicht werden.

  • Sony XPERIA M dual (Android 4.3)
  • Samsung Galaxy Note 4 (Android 4.4.2)
  • Samsung Galaxy S5 LTE (Android 5.0.2)
  • iPhone 6 (iOS 8.4)
  • iPhone 5 (iOS 9.0.2)
  • iPad 3 (iOS 9.1)

Vier Laptops unterstützen das Bugtracking und stehen für den finalen Testreport bereit. Der Wettkampf scheint simpel: Eine App, drei Stunden Zeit, so viele Bugs wie möglich finden und abschließend einen Testreport erstellen.

Insgesamt 100 Punkte können erreicht werden. Bewertet werden die Wichtigkeit der gefundenen Fehler, deren Reproduzierbarkeit und die Qualität des Testreports. Bonuspunkte gibt es für gute Teamarbeit und Interaktionen mit den Judges.

Die App (http://www.getroadmap.com) selbst ist eine Anwendung, mit der sich Backpacker und Spontanumbucher kinderleicht das nächste Ziel suchen können. Ob Flüge, Hotels, öffentlicher Nahverkehr, Karten oder ToDo-Listen, alles lässt sich online organisieren. Das Tool zur Fehlererfassung ist neu für uns. Lean Testing (https://leantesting.com) ist eine Cloud-Anwendung und macht auf den ersten Blick einen recht smarten Eindruck.

Auf die Plätze, fertig, los. Unsere Taktik ist einfach. Christoph, Artur und Bernhard testen was das Zeug hält. Carsten arbeitet parallel schon am Testreport, um nicht Gefahr zu laufen, dass es zum Ende hin knapp wird. Hektisch wird es zum Schluss sowieso noch, denn Christoph hat mal eben das Netzwerkkabel gekappt. Die letzte Email mit dem Abschlussbericht versenden? So leider unmöglich. Also schnell den Fehler gesucht und gefunden und im Endspurt die Ergebnisse übermitteln.

Vier Mann – ein Ziel
Wir kommen so langsam richtig in Fahrt. Oh, die App bricht zusammen, wenn wir auf einer leeren Fläche swipen wollen. Allerdings nur auf dem Androiden. Nicht gut, das ist ein kritischer Fehler, der jeden Anwender zur Verzweiflung bringt.

So summieren sich Fehler über Fehler, am Ende haben wir insgesamt 28 davon entdeckt, reproduziert, bewertet und protokolliert. Und die glorreiche Erkenntnis gewonnen, dass wir vier die Herausforderung gemeistert haben, unsere Erfahrung in der Software-QS und unsere persönlichen Stärken in ein Team eingebracht und unter Zeitdruck verwertbare Ergebnisse geliefert haben.

Christoph fasst es so zusammen: "Für mich war der Wettbewerb eine sehr intensive Erfahrung. Und natürlich ergeben sich aus einer solchen Erfahrung auch wieder Impulse, die man mit in das tägliche Projektgeschäft mitnehmen kann. Nun bleibt nur noch die Hoffnung, dass die Judges eine ähnlich hohe Meinung von unserer Leistung haben :)."

Bernhard sagt: "Es war ein spannendes Gefühl, nicht nur die Mannschaften vor Ort zu sehen, sondern auch um die mehr als 70 weiteren Konkurrenten online in aller Welt zu wissen. Die Aufgabe war real – eine echte Anwendung, nichts synthetisches. Schnell fand das Team eine gemeinsame Wellenlänge und bewegte sich drei intensive Stunden lang in einem Flow aus explorativem Testen und spontaner Selbstorganisation. Am Ende standen dann tatsächlich eine ansehnliche Fehlerliste und eine systematische Testabdeckung. Alles in allem eine äußerst erfrischende Erfahrung, die ein Team zusammenschweißt!"

Carsten äußert sich so: "Der STWC ist eine interessante, fordernde und sehr agile Abwechslung zum üblichen Projektalltag. Ich denke, wir haben gute Ergebnisse erzielt, und mich hat vor allem die gute Zusammenarbeit erfreut. Verbesserungen haben wir auch gefunden, die wir nächstes Jahr besser machen werden."