Qualitätssicherung Entwicklung

Und plötzlich… Scrum Master!

Wie schnell aus der blanken Theorie eine lebhafte Praxiserfahrung werden kann, schildert Tim. Als Scrum Master unterstützte er in einem Kundenprojekt das Team.

Im Rahmen meiner beruflichen und persönlichen Weiterentwicklung bekam ich im Jahr 2016 durch die profi.com die Möglichkeit, eine Schulung zum Scrum Master zu absolvieren. Dabei war es erst einmal nicht das primäre Ziel, diese Rolle Vollzeit und in Projekten auszuüben, sondern vielmehr die Grundlagen von Scrum zu verinnerlichen. Die Schulung war sehr interessant, aber nach erfolgreicher Zertifizierung zum "Professional Scrum Master" hatte ich vorerst keine weiteren Berührungspunkte mit der agilen Arbeitsweise.

Bis… ja, bis Anfang 2017 plötzlich alles ganz schnell ging.

Im Rahmen meines Projektes bei einer großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft sollte ich als Tester in einem Scrum-Team unterstützen. Im Kick-Off war dann eigentlich schon alles geklärt, als ich anmerkte: "Brauchen wir nicht noch einen Scrum Master?" Ja, den brauchten wir natürlich.

Dass das keine zusätzliche Person sein wird, sondern von einem Mitglied des Entwicklungsteams übernommen wird, war schnell klar. Da aber die Kollegen alle nicht gerade scharf darauf waren, blieb am Ende ich übrig. Die Zertifizierung habe ich ja, also warum nicht? Natürlich habe ich den Kollegen klar gemacht, dass ich noch keine Erfahrung darin habe und sie sicherten mir entsprechende Unterstützung zu. So schnell kann es gehen, plötzlich war ich Scrum Master. Und was soll ich sagen – wir haben sechs Monate in diesem Scrum Team gearbeitet und es hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht!

Vom harten Verhandeln bis zur spielerischen Retrospektive
Ich habe sehr viel über agiles Arbeiten in der Praxis gelernt, konnte aber auch sehr schnell mein Wissen aus der Schulung und meine gemachten Erfahrungen weitergeben. Da leider ab und an personelle Veränderungen im Entwicklungsteam vorgenommen wurden, musste man häufiger wieder die Grundlagen von Scrum vermitteln. Natürlich gehört es auch dazu, sich mal mit dem Product Owner "anzulegen" oder mit einem Abteilungsleiter eine Lösung auszuhandeln, damit er nicht ständig Ressourcen aus dem Entwicklungsteam abzieht – dies senkt die Produktivität deutlich.

Auch die Moderation von Meetings oder die Vorbereitung von kreativen Spielen für die Retrospektive machen den Job abwechslungsreich. Außerdem ist es toll zu beobachten, wie die in den Retrospektiven aufgedeckten Hindernisse durch die dann herausgearbeiteten Maßnahmen Stück für Stück eliminiert werden. Man merkt, wie das Team sich aufeinander einstellt und gemeinsam immer produktiver wird.

Inzwischen kann ich sagen, dass mir die Arbeit als Scrum Master Spaß macht, ich das Testen aber (vorerst) nicht komplett aufgeben wollen würde. Eine Mischung aus 20 Prozent Testengineer und 80 Prozent Scrum Master wäre perfekt, denn dann kann man seine Erfahrung in beiden Bereichen einbringen.

Autor

Tim Benke IT-Consultant
Tim Benke