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WTF? Blockchain oder die nächste digitale Revolution

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In Dresden trafen sich zum ersten "Blockchain Meetup Saxony" mehr als 60 Interessierte.

Der neue geile Schei…?! Keine Ahnung, ob und wie sich das Prinzip der "Blockkette" zukünftig durchsetzen wird, aber das Interesse am ersten Sachsen-Meeting zu diesem Thema war groß. Es signalisiert, dass hier eine Technologie Fahrt aufnimmt, die a) interessant und b) ziemlich abgefahren ist. Und das nicht erst seit Bitcoin!

So trafen sich mehr als 60 Teilnehmer am vergangenen Mittwoch bei der T-Systems in Dresden, um ein erstes Kennenlernen und einen Einstieg in die Blockchain zu erlangen. Gleich vorweg: Das Treffen bleibt keine Eintagsfliege, sondern soll aller acht Wochen zum regelmäßigen Austausch genutzt werden.

Grau ist alle Theorie – die Grundlagen
Ralf Knobloch, seines Zeichens Blockchain Evangelist bei T-Systems, führte provokant in das Thema ein. Blockchain = Hype oder 'Internet - die Zweite?' lautete seine Frage. Ist die Technologie eine Evolution im Umgang mit Geld oder sogar eine Revolution des Bankenwesens? Interessanter Weise setzt sich bereits die Finanzwelt, Dienstleister und Industrie damit auseinander, so zum Beispiel schließen sich 40 Großbanken zusammen, um an der Technologie zu arbeiten. Auch die NASDAQ setzt Blockchain bereits ein. Diese Beispiele zeigen, dass es eine ernst zu nehmende Technologie ist.

Der Vortrag von slock.it-Mitgründer Christoph Jentzsch lautete "Einführung in Blockchain Ethereum und Smart Contracts". Zur Begriffsklärung: Ethereum heißt die Kryptowährung und Smart Contracts sind Computerprotokolle, die Verträge abbilden oder überprüfen, oder die Verhandlung oder Abwicklung eines Vertrags technisch unterstützen. Jentzsch erklärte wichtige Grundbegriffe wie P2P Network, Merkle Tree, Public und Private Key, Hash, Smart Contract usw.

Doch wie funktioniert Blockchain eigentlich? Blockchain ist quasi eine transparente, dezentrale Datenbank, welche Transaktionen zwischen Verbraucher und Lieferant (Parteien) beinhaltet. Eine riesige "Datenbank", die jedoch nicht bei einem Einzelnen (Unternehmen) liegt, sondern über viele Computer verteilt und verschlüsselt ist. Niemand "besitzt" diese Datenbank, sondern jeder Teilnehmer hat die gleichen Zugriffsrechte. Es gibt auch keinen zentraler Verwalter, daher ist "richtig", was die Mehrheit sagt.

Sicherheit gewährleistet die Blockchain durch das verteilte Netzwerk, denn nur wenn ein Angreifer mehr als 50 % des gesamten Netzes besitzt oder kontrolliert, können Informationen manipuliert werden. Das Prinzip dahinter: Bevor eine Transaktion stattfinden kann, muss diese von allen Teilnehmern im Netz bestätigt werden (die Mehrheit hat Recht). Dabei spielt es keine Rolle, welche Art von Transaktion ausgeführt wird, denn Blockchain ist nicht nur auf Finanztransaktionen anwendbar.

Hier mal ein sinnbildlicher Vergleich, den ich bei http://www.it-finanzmagazin.de/gar-kein-mysterium-blockchain-verstaendlich-erklaert-27960/ gefunden habe:

Man kann es vergleichen mit dem gesprochenen Wort. Sage ich beispielsweise "Du bist doof" kann es, einmal ausgesprochen, nicht mehr geändert werden, vor allem dann, wenn Zeugen anwesend waren. So verhält es sich bei den Transaktionen innerhalb der Blockchain auch. Mit einem Unterschied: Innerhalb der Blockchain kann eine Information jederzeit nachvollzogen werden – auch für neue Teilnehmer. Übertragen bedeutet das, jeder weiß, dass ich sagte "Du bist doof" und das gilt sogar für die Personen, die zum Zeitpunkt gar nicht anwesend waren.

Akteure: Teilnehmer, welche an der auf Blockchain basierenden Lösung teilnehmen und den jeweiligen Regeln folgen.

Transparenz: Das Netzwerk wird ständig durch sogenannte "Miner" kontrolliert. Diese Miner verifizieren Block für Block die hinterlegten Informationen und teilen sie im Netzwerk, in dem jeder Teilnehmer Zugriff auf dieselbe Blockchain hat. Hier könnt ihr euch exemplarisch anschauen, wie das Mining funktioniert: https://youtu.be/GmOzih6I1zs.

Ausgeklügelte Technologie
Informationen werden in Blöcke abgelegt - Infos können alles sein (Vertrag, Transaktion, Aktien, Hashwerte einer Datei oder ähnliches). Ein Block enthält auch immer eine Historie - jeder Block ist verbunden mit dem vorhergehenden Block und enthält die Historie in Form eines Hashs und den Hash der gesamten Kette (Chain). Wird nun ein Block von Minern verifiziert (anerkannt), ist die darin enthaltene Information für alle Ewigkeit unveränderlich und für jeden sichtbar gespeichert. Miner stellen einfach nur Rechenleistung zur Verfügung, um die Blöcke zu verifizieren.

Abgesichert wird die Blockchain durch öffentliche (für jeden sichtbare) und private (geheime) Schlüssel (Schlüsselpaar), wobei jede Transaktion mit Hilfe des privaten Schlüssels signiert wird. Als Beispiel dient uns ein Grundstückskauf. Der öffentliche Schlüssel ist mit dem Vertrag fest verbunden, aber nur der Käufer kann mit seinem privaten Schlüssel den Vertrag (sprich das Grundstück) an andere übertragen. Ergo, geht der private Schlüssel verloren, kann auch der Vertrag nicht mehr verändert werden.

Virtuell vs. real – Nutzen der Blockchain in der "echten" Welt
Dr. Jens Struckmeier von Cloud & Heat Technologies nahm sich dem Aspekt der Ressourcenbereitstellung an und ging der Frage nach, wie man Blockchain Miner wird? Denn die enorme Rechenpower benötigt viel zugeführte Energie und erzeugt außerdem gute Abwärme - die sinnvoll genutzt werden kann. Dafür hat sein Unternehmen ein Wasser-Kühlsystem für CPU‘s und Grafikkarten entwickelt, welche ja die Hauptrechenleistung für Miner bereitstellen.

Mit einem Rechenzentrum im Keller eines Wohngebäudes wird das Haus mit Warmwasser versorgt und gleichzeitig Rechenleistung für die Blockchain bereitgestellt. Das frisst auch viel Strom, deshalb rechnet es sich in Deutschland nicht wirklich, da Strom zu teuer ist. In Island oder anderen Ländern mit billigem Strom hingegen sieht die Kalkulation schon positiver aus.

Autor

Tobias Richter Associate IT-Consultant
Tobias Richter